Was EN ISO 105-X12 regelt
EN ISO 105-X12 beschreibt das Prüfverfahren zur Bestimmung der Reibechtheit gefärbter Textilien. Dabei wird die Farbübertragung von der Prüfoberfläche auf ein standardisiertes weißes Reibgewebe ermittelt – sowohl bei trockener als auch bei nasser Reibung. Die Norm gilt für textile Flächengebilde aller Art, einschließlich textiler Bodenbeläge wie Teppichbahnen und Teppichfliesen.
Prüfprinzip und Bewertung
Versuchsaufbau
Ein normierter Reibfinger (Durchmesser 16 mm) wird unter definiertem Anpressdruck (9 N) mit einem weißen Baumwoll-Reibtuch über die Prüffläche geführt. Es werden 10 Reibzyklen auf einer Strecke von 100 mm ausgeführt – getrennt für den trockenen und den nassen Zustand.
Bewertung
| Note (Graumaßstab) | Bedeutung |
|---|---|
| 5 | Keine sichtbare Farbübertragung |
| 4 | Geringe Farbübertragung |
| 3 | Deutliche Farbübertragung |
| 2 | Erhebliche Farbübertragung |
| 1 | Starke Farbübertragung |
Die Bewertung erfolgt visuell mittels Graumaßstab nach EN ISO 105-A03. Zwischennoten sind zulässig. Die nasse Reibechtheit fällt in der Praxis fast immer niedriger aus als die trockene.
Prüfbedingungen
- Normalklima: 20 °C ± 2 °C, 65 % ± 4 % relative Luftfeuchte
- Nasses Reibtuch: Feuchtegehalt 95–100 % (Trockengewicht)
- Mindestens je 2 Prüfungen (trocken und nass) pro Probenrichtung
Praxishinweis für textile Bodenbeläge
Bei dunklen Teppichböden und Teppichfliesen wird die Reibechtheit häufig erst nach der Verlegung zum Problem – etwa wenn helle Socken oder Möbelstoffe verfärbt werden. Wer Reklamationen vermeiden will, fordert vom Hersteller Prüfberichte nach EN ISO 105-X12 mit konkreten Noten an. Für textile Bodenbeläge gilt in der Praxis eine trockene Reibechtheit von mindestens Note 4 und eine nasse von mindestens Note 3 als Mindesterwartung. Die Prüfung misst ausschließlich die Farbmigration, nicht den mechanischen Verschleiß.