Was DIN 51131 regelte
DIN 51131 legte ein Verfahren zur Bestimmung des dynamischen Gleitreibungskoeffizienten (µ) auf begehbaren Bodenbelagsoberflächen fest. Gemessen wurde mit einem motorgetriebenen Gleitmessgerät, das einen definierten Gleitkörper mit konstanter Geschwindigkeit (0,2 m/s) und Anpresskraft über den Bodenbelag zieht. Der gemessene Reibungswiderstand, dividiert durch die Auflagekraft, ergibt den µ-Wert.
Ein wesentlicher Vorteil gegenüber der schiefen Ebene nach DIN 51130: DIN 51131 war ausdrücklich auch für Messungen an bereits verlegten Böden konzipiert – direkt auf der Baustelle oder im Betrieb. Das machte das Verfahren besonders wertvoll bei Reklamationen und Schadensbeurteilungen.
Geltungsbereich
DIN 51131 galt für Bodenbeläge ohne oder mit geringem Verdrängungsraum (maximal Klasse V4): elastische Beläge, textile Böden, Laminat, Parkett, keramische Fliesen, Naturstein sowie Beschichtungen. Die Messung konnte unter trockenen, nassen und mit Gleitmittel versehenen Bedingungen durchgeführt werden – mit standardisierten Gleitern aus SBR-Gummi oder Leder.
Messprinzip und Auswertung
Eine Messreihe bestand aus fünf Einzelmessungen; die ersten beiden wurden verworfen. Der Mittelwert aus den Messungen drei bis fünf ergab den repräsentativen µ-Wert. Gemessen wurde stets in der Richtung der geringsten Rutschhemmung. Prüfinstitute orientierten sich bei der Bewertung am DGUV-Bewertungskonzept (DGUV Information 208-041): µ ≥ 0,45 gilt als ausreichend rutschhemmend.
Wichtig: Ein Umrechnen von µ-Werten in R-Klassen (R9–R13 nach DIN 51130) ist physikalisch nicht möglich – die beiden Verfahren sind nicht vergleichbar.
Status und Nachfolger
Mit Veröffentlichung der europäischen Norm DIN EN 16165 im Dezember 2021 wurde DIN 51131 zurückgezogen. Das Tribometerverfahren lebt inhaltlich als Anhang D in DIN EN 16165 weiter. Prüfzeugnisse nach DIN 51131:2014-02 und nach DIN EN 16165 Anhang D werden von den Unfallversicherungsträgern als gleichwertig anerkannt, sofern der SBR-Gleiter verwendet wurde. DIN EN 16165 führt zusätzlich einen neuen Mix-Gleiter ein, der in DIN 51131 nicht enthalten war; dessen Ergebnisse sind nicht rückwärtskompatibel.