Was EN 12664 regelt
EN 12664 beschreibt zwei Messverfahren zur Bestimmung des Wärmedurchlasswiderstandes und der Wärmeleitfähigkeit von Baustoffen und Bauprodukten: das Plattengerät (Guarded Hot Plate) und das Wärmestrommessplatten-Gerät (Heat Flow Meter). Die Messung erfolgt im stationären Zustand – wahlweise am trockenen Prüfkörper oder nach Konditionierung auf ein Feuchtegleichgewicht.
Geltungsbereich
Die Norm gilt für Materialien mit einem Wärmedurchlasswiderstand von mindestens 0,02 m²·K/W und einer Wärmeleitfähigkeit bis 2,0 W/(m·K). Damit erfasst sie dichtere Baustoffe wie Bodenbeläge (PVC, Kautschuk, Linoleum, Teppich, LVT), Beton, Mauerwerk und Glas. Für leichte Dämmstoffe mit R ≥ 0,5 m²·K/W empfiehlt sich die einfachere EN 12667 – die Verfahren dieser Norm sind dort ebenfalls anwendbar.
Prüfprinzip
Beim Plattengerät wird der Prüfkörper zwischen zwei Platten unterschiedlicher Temperatur eingespannt; aus dem gemessenen Wärmestrom und der Temperaturdifferenz errechnet sich der R-Wert. Das Wärmestrommessplatten-Gerät arbeitet nach demselben Grundprinzip, ist jedoch in der Kalibrierung einfacher handhabbar und verbreiteter in Laboratorien. Die Messunsicherheit beträgt bei korrekter Durchführung typisch ±2 % bis ±5 %.
Bezug zu Bodenbelag und Estrich
Für Bodenleger und Planer ist EN 12664 vor allem bei Fußbodenheizungen entscheidend: Der Gesamtwärmedurchlasswiderstand aller Aufbauschichten oberhalb der Heizebene sollte 0,15 m²·K/W nicht überschreiten. Die Norm liefert die Grundlage, um λ-Werte (Wärmeleitfähigkeit) und R-Werte (Wärmedurchlasswiderstand) für Bodenbeläge und Estriche messtechnisch zu ermitteln und in Wärmeschutz-Nachweisen zu belegen. Auch für Dämmstoffe unter Estrichen wird das Messverfahren genutzt, wenn mittlere oder niedrige Dämmwirkung vorliegt.
Ein häufiger Fehler in der Planungspraxis: λ-Werte verschiedener Produkte werden verglichen, ohne die Belagsdicke einzubeziehen. Maßgeblich ist der R-Wert: R = d / λ (Dicke in Metern geteilt durch Wärmeleitfähigkeit). Ein dünner Belag mit mäßigem λ-Wert kann daher besser für eine Fußbodenheizung geeignet sein als ein dicker Belag mit hohem λ-Wert.