Was EN 1815 regelt
EN 1815 legt das Prüfverfahren zur Bestimmung der elektrostatischen Neigung von elastischen Bodenbelägen (PVC, Kautschuk, Linoleum, LVT) sowie modularen mechanisch verriegelnden Bodenbelägen (MMF) und Laminatböden fest. Gemessen wird die Körperspannung einer Testperson beim Begehen des Belags unter definierten Klimabedingungen – im Labor oder in situ. Textile Beläge fallen nicht in den Geltungsbereich dieser Norm.
Wesentliche Änderungen in der Fassung 2025
- Modulare mechanisch verriegelnde Bodenbeläge (MMF) wurden in Titel und Anwendungsbereich neu aufgenommen.
- Das Prüfprinzip wurde in Methode A und Methode B unterteilt.
- Beschreibung eines konditionierten Prüfraums wurde ergänzt.
- Neue technische Parameter für das EPDM-Sohlenmaterial wurden festgelegt.
Klassifizierung nach EN 1815
Die Bewertung erfolgt anhand des gemessenen Spitzenwerts der Körperaufladung in Kilovolt (kV):
| Bewertung | Grenzwert | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| Antistatisch | ≤ 2 kV | Büro, EDV-Bereiche, Gesundheitswesen |
| Nicht klassifiziert | > 2 kV | Wohnbereich, unkritische Gewerbebereiche |
Die Prüfung nach EN 1815 erfolgt bei 23 °C und 25 % relativer Luftfeuchte – dem ungünstigsten praxisrelevanten Klimazustand für elektrostatische Aufladung.
Rechtliches
In sensiblen Bereichen (z. B. OP-Säle, Serverräume, explosionsgefährdete Zonen) können Ausschreibungen oder behördliche Vorgaben einen Nachweis mit dem Grenzwert ≤ 2 kV zwingend verlangen. Eine fehlende Deklaration kann zur Nachbesserungspflicht führen.
Hinweis: Diese rechtlichen Informationen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Rechtsberatung.
Praxishinweis
Der 2-kV-Grenzwert aus EN 1815 wird häufig mit ESD-Schutz (Electrostatic Discharge) gleichgesetzt – das ist nicht korrekt. Für ESD-kritische Umgebungen (z. B. Elektronikmontage) gelten eigenständige Normen mit deutlich niedrigeren Ableitwiderständen. Ein Belag, der den Grenzwert erfüllt, ist antistatisch im Sinne des Gehkomforts, aber nicht automatisch ESD-geprüft.