Was EN ISO 10965 regelt
EN ISO 10965 beschreibt Prüfverfahren zur Bestimmung des elektrischen Widerstands von textilen Bodenbelägen. Gemessen werden sowohl der Oberflächenwiderstand (horizontal zwischen zwei Elektroden auf der Belagsoberfläche) als auch der Ableitwiderstand (vertikal durch den Belag hindurch zur Unterlage). Die Norm gilt für alle textilen Bodenbeläge – Bahnenware, Fliesen und Planken – unabhängig von Herstellungsart oder Fasermaterial.
Nicht erfasst werden elastische und harte Bodenbeläge; für diese gelten eigene Prüfnormen (z. B. EN 1081).
Wesentliche Anforderungen
Prüfprinzip
Eine definierte Gleichspannung wird zwischen zwei Elektroden angelegt. Aus Spannung und Stromfluss wird der elektrische Widerstand berechnet. Die Norm unterscheidet zwei Messanordnungen:
- Oberflächenwiderstand: Beide Elektroden stehen auf der Belagsoberfläche in definiertem Abstand.
- Ableitwiderstand (Durchgangswiderstand): Eine Elektrode auf der Oberfläche, die Gegenelektrode unter dem Belag bzw. an der leitfähigen Unterlage.
Prüfbedingungen
| Parameter | Vorgabe |
|---|---|
| Prüfspannung | Typisch 100 V oder 500 V DC (je nach erwartetem Widerstandsbereich) |
| Klimatisierung der Proben | 23 °C ± 2 °C, 25 % ± 3 % r. F. (verschärftes Klima) oder 50 % ± 5 % r. F. |
| Klimatisierungsdauer | Mindestens 72 h vor der Messung |
| Elektrodentyp | Zylindrische Metallelektroden mit definierter Kontaktfläche und Auflagegewicht |
Bewertung
Die Messergebnisse werden in Ohm (Ω) angegeben, üblicherweise als Zehnerlogarithmus (z. B. 10⁶ Ω). Die Einstufung der antistatischen Eigenschaft erfolgt nicht durch diese Prüfnorm selbst, sondern über Anforderungsnormen wie EN 1307 (textile Bodenbeläge – Klassifizierung) oder projektspezifische ESD-Vorgaben (z. B. IEC 61340-Reihe).
Praxishinweis
Die Messergebnisse reagieren extrem empfindlich auf die relative Luftfeuchtigkeit: Bei 25 % r. F. liegen die Widerstandswerte oft mehrere Zehnerpotenzen höher als bei 50 % r. F. In der Praxis werden Reklamationen wegen elektrostatischer Aufladung fast ausschließlich in der Heizperiode bei niedriger Raumluftfeuchte relevant. Wer ableitfähige Teppichbeläge ausschreibt, muss daher unbedingt angeben, bei welchem Prüfklima der geforderte Grenzwert einzuhalten ist – sonst vergleicht man Werte, die nicht vergleichbar sind.