Was ÖNORM Z 1261 regelte
ÖNORM Z 1261 (Ausgabe Juli 2009) legte ein Verfahren zur Messung des dynamischen Reibungskoeffizienten auf begehbaren Flächen in Gebäuden und im Freien von Arbeitsstätten fest. Das Verfahren ließ sich sowohl im Labor als auch vor Ort anwenden – bei trockenen, nassen und betriebsmäßig verschmutzten Bedingungen.
Die Norm galt ausschließlich für Messungen im Rahmen der Arbeitsstättenprüfung. Ausdrücklich ausgeschlossen waren Typprüfungen von Bodenbelägen nach anderen Normen sowie Anwendungen im Straßen- und Wegebau.
Messverfahren und Anforderungen (historisch)
ÖNORM Z 1261 unterschied zwischen Laborprüfungen unter definierten Bedingungen und Vor-Ort-Messungen im eingebauten Zustand. Als Mindestanforderung für ausreichende Rutschhemmung in normalen Arbeitsbereichen galt ein dynamischer Reibungskoeffizient von µ ≥ 0,45. Für besonders rutschgefährdete Bereiche – etwa nasse Produktionshallen oder Nassräume – lagen die Anforderungen höher.
Ein verbreiteter Anwendungsfehler war der Einsatz von ÖNORM Z 1261 für Typprüfungen von Bodenbelägen. Dafür war die Norm nicht vorgesehen; Typprüfungen erfolgten nach ÖNORM EN 13893.
Rückzug und Nachfolger
ÖNORM Z 1261 wurde am 1. August 2022 zurückgezogen, weil ÖNORM EN 16165 das Prüfverfahren europaweit vereinheitlichte und inhaltlich übernahm. Die europäische Norm fasst vier Prüfmethoden (u. a. das Tribometer-Verfahren aus ÖNORM Z 1261) in einem einzigen Regelwerk zusammen und löst damit mehrere ältere nationale Normen ab.
Für Planer, Sachverständige und Betreiber von Arbeitsstätten gilt seit dem Rückzug ausschließlich ÖNORM EN 16165 (aktuelle Ausgabe: März 2023) als maßgebliche Grundlage für die Beurteilung der Rutschhemmung von Bodenbelägen und begehbaren Flächen. Messungen, die noch nach dem Verfahren von ÖNORM Z 1261 durchgeführt wurden, entsprechen methodisch der EN 16165, sind aber formal nicht mehr normgerecht zu zitieren.