Was EN ISO 8302 regelt
EN ISO 8302 beschreibt das Messverfahren mit dem Einplatten- und Zweiplattengerät (Guarded Hot Plate) zur Bestimmung des stationären Wärmedurchlasswiderstandes und der Wärmeleitfähigkeit. Das Verfahren gilt als Referenzmethode (Absolutverfahren) für plattenförmige Proben und ist auf homogene wie inhomogene Materialien anwendbar.
Die Norm deckt einen weiten Temperaturbereich ab (ca. −180 °C bis +800 °C je nach Geräteausführung) und ist nicht auf bestimmte Materialgruppen beschränkt. Sie wird als Bezugsverfahren herangezogen, wenn andere Messmethoden (z. B. Wärmestrommessplatten nach EN ISO 8301) kalibriert oder validiert werden.
Messprinzip und Anforderungen
Wie die Messung funktioniert
Eine elektrisch beheizte Platte erzeugt einen definierten Wärmestrom durch die Probe. Aus der zugeführten elektrischen Leistung, der Probendicke und der Temperaturdifferenz zwischen Warm- und Kaltseite wird die Wärmeleitfähigkeit λ (W/(m·K)) bzw. der Wärmedurchlasswiderstand R (m²·K/W) berechnet.
Anforderungen an Gerät und Probe
- Schutzring (Guard) um die Messplatte zur Minimierung seitlicher Wärmeverluste
- Probendicke und -format müssen zum Gerät passen; typische Abmessungen ab ca. 200 mm × 200 mm bis 800 mm × 800 mm
- Temperaturgleichgewicht (stationärer Zustand) muss nachweislich erreicht sein, bevor Messwerte aufgenommen werden
- Detaillierte Anleitungen zur Fehleranalyse: Randfeldkorrektur, Kontaktwiderstand, Inhomogenität
Relevanz für Bodenbeläge
Produktnormen für Bodenbeläge (z. B. EN 12524 oder EN 12667) verweisen auf die Guarded-Hot-Plate-Methode als Referenzverfahren, wenn der Wärmedurchlasswiderstand eines Belags ermittelt werden muss. Bei Fußbodenheizungen ist der R-Wert des Bodenbelags entscheidend: EN 1264-2 begrenzt den zulässigen Wärmedurchlasswiderstand des Oberbelags auf ≤ 0,15 m²·K/W. Die so gemessenen λ-Werte fließen direkt in diese Berechnung ein.
Praxishinweis
In der Praxis wird die Wärmeleitfähigkeit von Bodenbelägen häufiger mit dem Wärmestrommessplatten-Verfahren nach EN ISO 8301 (bzw. EN 12667) bestimmt, da es schneller und einfacher handhabbar ist. Das Plattengerät nach EN ISO 8302 dient dabei als Referenz zur Kalibrierung. Für Bodenleger und Planer ist entscheidend, dass der vom Hersteller deklarierte R-Wert des Bodenbelags auf einem dieser genormten Verfahren basiert – besonders bei Fußbodenheizung.