Was EN 1963 regelte
EN 1963 legte Prüfverfahren für textile Bodenbeläge fest, die mit dem Tretradgerät System Lisson durchgeführt werden. Das Tretradgerät simuliert mechanische Beanspruchungen, wie sie beim Begehen von Bodenbelägen — besonders an Treppenkanten — entstehen. Die Norm galt für textile Bodenbeläge mit und ohne Unterlage.
Vier Prüfmethoden
EN 1963 umfasste vier eigenständige Prüfmethoden, die auf unterschiedliche Schadensbilder und Belagstypen zugeschnitten waren:
- Prüfung A: Ermittlung des Masseverlustes textiler Bodenbeläge — auch zur Beurteilung der Fasereinbindung synthetischer Polteppiche geeignet.
- Prüfung B: Bestimmung der Aussehensveränderung textiler Bodenbeläge an Treppenkanten (Stair-Nosing-Test).
- Prüfung C: Beurteilung der Fasereinbindung bei synthetischen Schlingenpolteppichen.
- Prüfung D: Bestimmung der Fasereinbindung (Haarigkeit) bei Nadelvlies- und polfrei strukturierten Bodenbelägen.
Bedeutung für die Praxis
Die Treppenkantenprüfung nach EN 1963 war ein wichtiges Eignungskriterium für Treppenbeläge. Produktnormen wie EN 1307 (Polteppiche), EN 1470 (Nadelvlies) und EN 13297 (Polvlies) verwiesen auf diese Prüfmethode als Basis für die Einstufung in Beanspruchungsklassen.
EN 1963 betrifft ausschließlich textile Bodenbeläge und hat keinen Bezug zu elastischen Belägen (PVC, Linoleum, Kautschuk, LVT). Für letztere gelten andere Normen zur Druckbeständigkeit.
Status und Nachfolger
EN 1963 wurde 2015 zurückgezogen und durch EN ISO 12951 ersetzt. Die ISO-Variante übernahm inhaltlich alle vier Prüfmethoden und stimmte sie mit internationalen Anforderungen ab. Die aktuelle Fassung ist EN ISO 12951:2020, in Deutschland umgesetzt als DIN EN ISO 12951:2020-10. Für neue Prüfaufgaben und Ausschreibungen ist ausschließlich EN ISO 12951 heranzuziehen.