Was EN ISO 6356 regelt
EN ISO 6356 beschreibt ein Prüfverfahren, mit dem die elektrostatische Aufladung einer Person beim Begehen eines Bodenbelags gemessen wird – die sogenannte Begehungsprüfung (Walking Test). Die Norm gilt für textile Bodenbeläge sowie Laminat- und andere harte Beläge. Sie definiert Prüfbedingungen (Klima, Schuhwerk, Messgeräte) und den Ablauf der Messung, legt selbst aber keine Grenzwerte fest – diese sind in den jeweiligen Produktnormen oder Anforderungsdokumenten festgelegt.
Prüfprinzip
Eine Prüfperson begeht den Bodenbelag unter definierten Bedingungen. Dabei wird die Körperspannung (elektrostatisches Potential) gegenüber Erde kontinuierlich gemessen und der Spitzenwert in Kilovolt (kV) dokumentiert.
Prüfbedingungen
| Parameter | Vorgabe |
|---|---|
| Normklima | 23 °C ± 2 °C, 25 % ± 3 % relative Luftfeuchte (Worst-Case-Klima) |
| Konditionierung | Mindestens 72 Stunden im Prüfklima |
| Schuhwerk | Genormte Prüfschuhe mit definierter Sohle |
| Messgröße | Spitzenwert der Körperspannung in kV |
Typische Grenzwerte aus Anforderungsnormen
Die Norm selbst legt keine Grenzwerte fest. In der Praxis gelten häufig folgende Schwellenwerte aus verknüpften Regelwerken:
- ≤ 2 kV – typische Anforderung für ESD-geschützte Bereiche (Elektronikfertigung, Serverräume)
- ≤ 3 kV – allgemeine Komfortgrenze, ab der elektrostatische Entladungen als unangenehm empfunden werden
Praxishinweis
Die Prüfung bei 25 % relativer Luftfeuchte bildet bewusst ungünstige Winterbedingungen ab. Ein Bodenbelag, der bei 50 % Luftfeuchte unauffällig ist, kann im trockenen Winterklima deutlich höhere Aufladungswerte zeigen. Wird die Begehungsprüfung nicht unter dem normativen Worst-Case-Klima durchgeführt, sind die Ergebnisse nicht vergleichbar und vertraglich nicht belastbar. Bei der Planung von ESD-Böden muss zusätzlich der Ableitwiderstand nach EN 1081 geprüft werden – die Begehungsprüfung allein reicht für eine vollständige ESD-Bewertung nicht aus.