Linoleum Bodenbelag: Aufbau, Herstellung und Eigenschaften
Ein Linoleum Bodenbelag ist ein elastischer Belag aus oxidiertem Leinöl, Naturharz, Kork- und Holzmehl mit Kalksteinmehl als Füllstoff, unter Hitze und Druck auf ein Jutegewebe kalandert. Der Aufbau ist homogen. Die Masse geht durch die gesamte Dicke, eine getrennte Nutzschicht wie beim heterogenen PVC-Belag gibt es nicht. Ein Kratzer legt deshalb keine andersfarbige Schicht frei.
Im Werk wird Leinöl zu Linoleumzement oxidiert und mit Naturharz, Kork- und Holzmehl, Kalksteinmehl und Pigmenten zur Linoleummasse geknetet. Danach reifen die Bahnen drei bis vier Wochen in beheizten Reifekammern. Je nach Artikel trägt die Oberfläche eine werkseitige Vergütung, die die Unterhaltsreinigung erleichtert. Linoleum ist permanent antistatisch. Gegen Öle und Fette ist es beständig, gegen Zigarettenglut unempfindlich. Alle 14 Artikel der Kategorie sind mit dem Brandverhalten Cfl-s1 nach EN 13501-1 ausgewiesen.
Dekore und Optik beim Linoleumboden
Ein Linoleumboden zeigt eine typische Marmorierung, die sich nicht im Raster wiederholt. Die Farben sind satt, weil die Pigmente in der Masse liegen. Rund 200 Dekorvarianten gibt es: klassische Marmorierung, nahezu unifarbene Töne, Beton- und Streifenoptiken. Farbfelder, Leitsysteme und eingelegte Elemente lassen sich deshalb aus einer Serie aufbauen. Holzoptiken führen wir nicht. Wer eine Holznachbildung braucht, findet sie bei den Vinyldielen zum Verkleben.
Linoleum Bodenbelag: Formate und Sonderausführungen
Wir führen Bahnenware in 2,5 mm als Standarddicke, dazu Planken im Format 25 x 100 cm und Fliesen 50 x 50 cm. Im Sprachgebrauch heißt die Bahn auch Meterware oder Rollenware. Bahnen laufen auf Jutegewebe, die Elemente je nach Serie auf Jute, Glasfaser oder Polyestervlies, was sich auf die Klebstoffwahl auswirkt. Planken und Fliesen werden im Schachbrett oder im wilden Verband verlegt und nicht verfugt. Bahnen lassen sich verfugen. Die Naht wird dabei mit Schmelzdraht heißverklebt, frühestens 24 Stunden nach der Klebung. In Hygienebereichen ist das empfehlenswert, bei intensiver Nassreinigung immer nötig.
Vier Sonderausführungen ergänzen die Bahnenware. Akustik-Linoleum in 3,5 und 4,0 mm ist ein Verbundbelag mit elastischem Rücken für Flächen mit Trittschallanforderung. Sportlinoleum in 3,2 und 4,0 mm ist der Nutzbelag einer Sportbodenkonstruktion. Geprüft wird das gesamte System, nicht der Belag allein. Antistatisch ist jedes Linoleum von Haus aus, ableitfähig ist etwas anderes. Die ableitfähige Ausführung für EDV-Räume, Labore und Elektronikfertigung verlangt leitfähigen Klebstoff, ein Kupferband unter der Bahn, eine verfugte Fläche und einen Anschluss an den Potentialausgleich durch eine Elektrofachkraft. Für Flächen mit Rutschhemmungsanforderung gibt es eine Ausführung der Klasse R 10.
Nutzungsklasse statt Dicke
Ausgewählt wird nach der Beanspruchung. In einem homogenen Belag steckt keine zusätzliche Nutzschicht, die größeren Dicken stehen hier für Akustik- und Sportaufbauten. Maßgebend ist die Nutzungsklasse nach EN ISO 10874, sie steht im Datenblatt. Zwölf der vierzehn Artikel sind mit Klasse 34 ausgewiesen, der Stufe für Mehrzweck- und Sporthallen, Schalterhallen und Einkaufszentren. Liegt eine Fläche zwischen zwei Stufen, wird die höhere gewählt.
Zur Klasse kommt die Ausführung. In Krankenhäusern, Pflegeheimen und Praxen wird die Fläche verfugt und mit Hohlkehle hochgezogen, damit sie nass gereinigt werden kann. Bettenrollen mit 100 bis 200 mm Durchmesser gehören dort in die Belags- und Klebstoffwahl. Im Büro entscheiden Stuhlrollen vom Typ W mit weicher Lauffläche über die Lebensdauer der Oberfläche, in Schulen zählt der Pflegeaufwand. Was hinter den einzelnen Angaben im Datenblatt steckt, erklärt das Normen-Lexikon für Bodenbeläge.
Linoleum Bodenbelag verlegen: Untergrund und Klima
Linoleum wird als Bahn, Planke oder Fliese immer vollflächig geklebt. Vor der Verlegung sind Belegreife, Ebenheit und Saugfähigkeit des Untergrunds sowie das Raumklima zu prüfen, weil der Belag auf Feuchte mit Maßänderungen reagiert. Zugeschnittene Bahnen akklimatisieren stehend mindestens 24 Stunden im Verlegeraum. In Österreich gilt die Verlegenorm ÖNORM B 5236, nicht die deutsche Entsprechung, dazu die Verlegeanweisung des Herstellers. Wie Beanspruchung und Klassifizierung zusammenhängen, zeigt der Beitrag Nutzungsklassen bei Bodenbelägen.
Grenzen und typische Reklamationsgründe
Punktlasten hinterlassen Eindrücke. Ein geklebter Belag drückt stärker ein als der reine Materialwert erwarten lässt. Normativ zulässig sind bis 0,2 mm bei Dicken bis 4 mm, und am größten fallen die Eindrücke aus, wenn die Fläche schon 24 Stunden nach der Klebung belastet wird. Bahnen dürfen nicht geknickt werden, sie brechen. Werden die Kopfenden nicht nachgewalzt, bilden sich dort Blasen. Fugen, die zu heiß oder zu langsam gezogen werden, fallen ein oder verbrennen. Verfugte Nähte bleiben außerdem nicht dauerhaft dicht, sie gehören in die Wartungsplanung.
Reinigung und Pflege
Linoleum ist alkaliempfindlich. Unterhaltsreiniger über pH 9 und Grundreiniger über pH 10 verseifen die Oberfläche. Sie bleicht aus, verfärbt sich gelbgrau und riecht nach Fisch. Umkehrbar ist der Schaden nicht. Eine Sauberlaufzone über acht bis zehn Schritte, weiche Stuhlrollen und Filzgleiter halten mehr Schmutz und Kratzer fern als jedes Reinigungsmittel. Dunkle Gummimatten und Gummiräder hinterlassen gelbbraune Verfärbungen, die meist bleiben. Die Reinigungs- und Pflegeanleitung ist dem Auftraggeber in Österreich bei der Übergabe nachweislich auszuhändigen. Wir legen sie der Lieferung bei.
Linoleum, PVC oder Kautschuk
Baumärkte und Marktplätze verkaufen unter der Bezeichnung Linoleum regelmäßig CV- und PVC-Ware. Auf der Baustelle trennt ein Drahttest die beiden Materialien. Ein erhitzter Draht dringt in Linoleum ein, die Stelle verkohlt ohne Schmelzwulst und riecht nach verbranntem Papier. PVC schmilzt und wirft einen Wulst auf. Für Linoleum gilt die Produktnorm ÖNORM EN ISO 24011.
Wo intensiv nass und mit scharfen Grundreinigern gearbeitet wird, etwa in Großküchen, ist ein PVC-Belag als Bahnenware robuster. Er verträgt alkalische Reiniger und wird an der Naht thermisch verschweißt. Ist ein Elastomerbelag ausgeschrieben, führt der Weg zu Kautschukbahnen und Kautschukfliesen, die vulkanisiert und im Kontaktverfahren geklebt werden. Kautschuk ist allerdings ebenfalls alkaliempfindlich, der Wechsel löst die Reinigungsfrage also nicht. Den Materialvergleich vertieft der Beitrag Kautschukboden im Vergleich.
Muster, Datenblätter und Bestellung
Die Kategorie richtet sich an Bodenleger, Raumausstatter, Objekteinrichter, Architekten und Einkäufer in Österreich. Zu den Artikeln stellen wir Muster und Datenblätter mit den technischen Kennwerten bereit. Projektkonditionen schalten wir mit dem Konto frei. Welche Ausführung zu einer Fläche passt, klären wir vor der Bestellung.