Was Industriefliesen sind
Industriefliesen sind PVC-Fliesen von 7 bis 15 mm Dicke, die ohne Klebstoff verlegt und untereinander mechanisch verriegelt werden. Die Verzahnung der Kanten hält die Fläche zusammen, der Belag liegt schwimmend auf dem Untergrund und lässt sich wieder aufnehmen. Eingesetzt werden PVC-Industriefliesen in Werkstatt, Lager, Produktion und Garage.
Das Material ist dicht und weitgehend porenlos, chemikalienbeständig und leicht zu reinigen. Keramische Fliesen aus Feinsteinzeug sind eine eigene Materialgruppe mit eigenem Regelwerk. Ein Industrieboden ist keine Belagsware, sondern eine Beton- oder Beschichtungskonstruktion. Wir führen ausschließlich die PVC-Variante.
Dicken, Oberflächen und Farben
Wir führen 25 Artikel, den Kern bilden zwei Linien PVC-Klickfliesen. Die eine gibt es in 8, 10 und 15 mm, die andere in 7, 10 und 12,5 mm, beide in Grau, Dunkelgrau und Schwarz. Bei der Oberfläche stehen eine strukturierte und eine glatte Ausführung zur Wahl. Rampenelemente schließen freie Kanten ab und machen sie überfahrbar. Die Rampe muss zur Fliesenstärke passen und gehört deshalb schon in die Mengenermittlung.
Beschädigte Einzelfliesen lassen sich tauschen, ohne die Fläche aufzureißen. Ein Teil der Fliesen trägt eine keramisch verstärkte Polyurethan-Vergütung. Die eingelagerten Keramikpartikel machen die Oberfläche kratz- und abriebfester und erleichtern die Unterhaltsreinigung. Welche Serie das betrifft, steht im Datenblatt.
Wonach man auswählt
Am Anfang steht die Nutzungsklasse nach EN ISO 10874. Für den industriellen Bereich beschreibt sie drei Stufen: 41 für mäßige Beanspruchung mit leichten Transportwagen, 42 für Werkstätten mit stehender Arbeit und Fahrzeugverkehr, 43 für Lager- und Produktionshallen mit erheblichen Lasten. Im Sortiment ist Klasse 43 an zwei Artikeln hinterlegt, für alle übrigen gilt das Datenblatt. Die Systematik erklärt der Beitrag zu den Nutzungsklassen von Bodenbelägen.
Als Nächstes zählen Rollverkehr und Oberfläche. Die Stärke sagt nichts über die zulässige Belastung, sie bestimmt die Aufbauhöhe und damit den Anschluss an Türen, Tore und angrenzende Beläge. Für 23 der 25 Artikel ist die Brandklasse Bfl-s1 nach EN 13501-1 hinterlegt. Der Zusatz s1 steht für geringe Rauchentwicklung. Eine Rutschklasse ist für die Fliesen nicht hinterlegt. Wer eine Einstufung braucht, für den fordern wir das Prüfzeugnis beim Hersteller an.
Vorteile und Grenzen der schwimmenden Verlegung
Die Verlegung ohne Klebstoff ist der eigentliche Vorteil. Die Fläche lässt sich in Abschnitten aufbauen, der Betrieb kann daneben weiterlaufen, und der Belag bleibt rückbaubar. Das hilft bei Sanierungen, bei denen der Untergrund unbeschädigt bleiben soll. Wer mehr Beanspruchung braucht, als die schwimmende Verlegung hergibt, kann dieselben Fliesen vollflächig kleben. Das hebt die zulässige Beanspruchung, setzt aber die Freigabe von Belags- und Klebstoffhersteller voraus und nimmt die Rückbaubarkeit wieder heraus.
Die Klickverbindung ist zugleich der empfindliche Punkt. Arbeitet die Fläche, entriegelt oder bricht sie, und der Boden wird laut. Starke Sonneneinstrahlung führt bei schwimmenden Belägen zu Fugenbildung und Schrumpfung, vor Glasfronten gehört deshalb eine Beschattung eingeplant. Punktlasten mit kleiner Aufstandsfläche hinterlassen Resteindrücke, harte Lenkrollen radieren beim Schwenken. Vorgeschrieben sind weiche Rollen vom Typ W und weiche Gleiter, unter schweren Geräten lastverteilende Unterlagen. Für Staplerverkehr gibt es keine pauschale Freigabe. Metallspäne, Öl und Bremsspuren von Staplern und Hubwagen hinterlassen bleibende Schäden. Welche Ausführung eine solche Fläche verträgt, klären wir vor der Bestellung mit dem Hersteller.
Untergrund, Fugen und Verlegung
Schwimmend heißt nicht ohne Vorbereitung. Unterlagen gleichen Unebenheiten nicht in nennenswertem Maß aus. Schon 5 bis 6 mm Vertikalbewegung an einer Unebenheit haben im Gutachtenfall zu Brüchen im Nut- und Federbereich geführt. Mineralische Untergründe werden deshalb geschliffen, abgesaugt, grundiert und in aller Regel gespachtelt. Belegreife und Ebenheit gehören vor der Verlegung geprüft und protokolliert, in Österreich nach ÖNORM B 5236 und nicht nach der deutschen Verlegenorm. Die Fliesen akklimatisieren mindestens 48 Stunden im Raum.
Große Flächen brauchen einen Fugenplan. Im Belag gehören Dehnungsfugen längs etwa alle 12 m und quer etwa alle 8 m, die Randfuge misst mindestens 1,5 mm je laufendem Meter Raumbreite und bleibt offen. Bewegungsfugen des Bauwerks dürfen nie überlegt werden, in Betonhallen bleibt der Fugenplan Sache des Planers. Der Belag wird weder am Untergrund noch an Wänden oder Türzargen befestigt. Höhendifferenzen über 4 mm gelten als Unfallgefahr, an freien Kanten gehören deshalb Rampen oder Kantenprofile hin.
Wie sich die Fläche reinigen lässt
Gereinigt wird feucht, maschinell oder im Cleanerverfahren, die Reinigungslösung aufgesprüht statt aufgeschwemmt. Pfützen und stehende Nässe gehören vermieden, zwischen Belag und Untergrund darf keine Feuchtigkeit geraten. Die Radlasten der Reinigungsmaschine gehören auf die Konstruktion abgestimmt. Absatzstriche und Gummiabrieb lassen sich durch Cleanern entfernen, Öl und Reifenabrieb unter Umständen nicht.
Dunkel pigmentierter Gummi wie Autoreifen führt durch Weichmacherwanderung zu gelblichen Verfärbungen, die bleiben. Helle Kontaktmaterialien und Unterlagen unter den Reifen beugen vor. Reinigungs- und Pflegemittel gehören aus einer aufeinander abgestimmten Produktlinie. Welche Mittel für die konkrete Serie zugelassen sind, steht in der Reinigungsanleitung des Herstellers. Eine Sauberlaufzone am Eingang senkt den Schmutzeintrag über das Schuhwerk und damit den Reinigungsaufwand.
Industriefliesen oder ein anderer Belag
Als Werkstattboden, Lagerboden und Hallenboden sind Industriefliesen auf Fahrzeugverkehr und Maschinenbetrieb ausgelegt, soweit Nutzungsklasse und Herstellerangabe das decken. Verklebt und ohne Verriegelung wird die Fläche mit Kautschuk als verklebtem Belag ausgeführt, dafür ist sie nicht mehr rückbaubar. Wie sich Kautschuk und Vinyl im Material unterscheiden, beschreibt der Beitrag Kautschukboden im Vergleich zu Vinyl. Flächen, die verschweißt und fugendicht ausgeführt werden müssen, brauchen PVC-Bahnenware zum Verschweißen. Verriegelte Fliesen leisten das nicht. Bei geringerer Beanspruchung und ohne Verriegelung sind Loose-Lay-Dielen die einfachere Lösung. Unter schweren Fitnessgeräten sind Klickbeläge nicht vorgesehen, dort arbeiten die Punktlasten gegen die Verriegelung.
Bezug, Muster und Ausschreibung
Wir sind ein österreichischer Großhandel und liefern an Bodenleger, Raumausstatter und Objekteinrichter im ganzen Bundesgebiet. Preise stehen nach der Anmeldung im Kundenkonto. Vor der Bestellung schicken wir ein Muster. Farbton, Struktur und Verriegelung beurteilt man an der Fliese besser als am Bildschirm. Wer PVC-Industriefliesen ausschreibt, bekommt von uns das Datenblatt mit Nutzungsklasse, Brandklasse und Verlegeart, dazu die Verlege- und Reinigungsanleitung des Herstellers. Die Begriffe dazu erklärt das Normen-Lexikon, den Überblick über die in Österreich geltenden Regelwerke der Beitrag Normen für Bodenbeläge.