Was Klebevinyl ist und wie es aufgebaut ist
Klebevinyl ist ein mehrschichtiger Vinyl-Designbelag aus einzelnen Planken und Fliesen. Der Fachbegriff lautet Dryback, wörtlich trockener Rücken. Vinylboden kleben bedeutet bei dieser Bauart eine vollflächige Verbindung mit dem Untergrund, ohne Klicksystem und in der Regel ohne Dämmrücken. Der Belag baut bis rund 4 mm auf, die Nutzschicht reicht von 0,30 bis 1,0 mm.
Von unten nach oben liegen eine stabilisierende Rückseite, eine Trägerschicht aus gefülltem PVC, der Dekorfilm und darüber eine transparente Nutzschicht mit Oberflächenvergütung. Der Träger hält das Element maßhaltig, manche Serien tragen dafür zusätzlich ein Armierungsgewebe. Die Fläche hält allein der Klebstoff zusammen.
Die Akustikausführung mit rückseitiger Dämmschicht ist die Ausnahme. Verklebt wird sie in einem Arbeitsgang wie jeder andere Dryback. Wir führen dazu zwei Artikel mit 0,55 mm Nutzschicht in Holz- und Steinoptik: Akustik-Vinylboden mit 19 dB Trittschallverbesserung.
Optiken, Formate und Oberfläche
Das Dekor liegt als bedruckter Film unter der Nutzschicht, die Prägung nimmt das Druckbild auf. Astbild, Sägeschnitt und Steinfuge sind deshalb fühlbar. Wir führen 48 Artikel in Holzoptik, überwiegend Eiche, dazu 27 in Steinoptik mit Beton, Marmor und Kalkstein.
Großformatige Fliesen beruhigen weite Flächen, schmale lange Planken strecken Flure, Vinylboden in Fischgrät und Chevron setzt ein sichtbares Muster. Neben rechteckigen Planken gibt es quadratische Fliesen in 45,7 und 91,4 cm Kantenlänge, dazu Sechseckfliesen, Akzentstreifen, Bordüren und Motive. So trennt man im Handel den Laufweg von der Aufenthaltsfläche, ohne das Material zu wechseln. Bahnenware gehört nicht in diese Kategorie.
Eine werkseitige Polyurethan-Vergütung ist bei Designbelägen die Regel. Ein Teil der Dielen trägt zusätzlich eine keramisch verstärkte Ausführung: Die eingelagerten Keramikpartikel machen die Oberfläche kratz- und abriebfester und erleichtern die Unterhaltsreinigung. Welche Serie das betrifft, steht im jeweiligen Datenblatt.
Nutzschicht ist nicht Nutzungsklasse
Die Serien unterscheiden sich vor allem in der Nutzschicht. Wir führen drei Stufen: 0,30 mm, 0,55 mm und 1,0 mm. Sie bestimmt, wie lange die Oberfläche Verschleiß standhält, sagt aber nichts über den zulässigen Einsatzbereich. Dafür steht die Nutzungsklasse nach EN ISO 10874 im Datenblatt.
| Nutzungsklasse | Typische Flächen | Artikel |
|---|---|---|
| 23 und 31 | Wohnräume, Hotelzimmer und kleine Büros | 58 |
| 33 und 34 | Korridore, Lobbys, Schulen, Verkaufsflächen | 110 |
| 42 und 43 | Lagerräume, Produktionshallen, stehende Arbeit | 110 |
Der Schwerpunkt liegt damit auf stark begangenen Flächen im Büro, im Hotel und im Handel. Was die einzelnen Klassen bedeuten, erklärt der Beitrag Nutzungsklassen bei Bodenbelägen.
Was der Belag im Alltag leistet
Die vollflächige Verklebung hält den Belag dauerhaft eben. Kanten stehen nicht hoch, Feuchte und Schmutz wandern nicht unter den Belag. Weil jedes Element für sich fixiert ist, verteilt sich das Arbeiten des Materials über die Fläche, statt sich über die Raumlänge zu summieren. Deshalb gehört unter Bürostühle mit Rollen ein geklebter Belag, zusammen mit weichen Rollen vom Typ W. Harte Rollen hinterlassen Eindrücke und können die Nutzschicht ablösen. Beschädigte Planken tauscht man einzeln, ohne die Fläche zu öffnen. 144 der 149 Artikel tragen das Brandverhalten Bfl-s1 nach EN 13501-1.
Wo Klebevinyl an Grenzen stößt
Für regelmäßigen Verkehr mit Staplern, Hubwagen und Ameisen und für Maschinenbetrieb ist die Bauart nicht vorgesehen. Gelegentliche Fahrten mit dem Hubwagen bis eine Tonne deckt Nutzungsklasse 42 ab, wenn Untergrund und Klebung darauf ausgelegt sind. Räume, die fugendicht und desinfizierbar sein müssen, verlangen verschweißte Bahnenware, denn Planken werden nicht verschweißt. An bodentiefen Glasflächen arbeitet der Belag unter Sonne und Wärme, dort ist ein vom Hersteller freigegebener Klebstoff nötig. Einzelelemente erheben keinen Anspruch auf Fugenfreiheit wie Bahnenware, und bleibende Abdrücke von Möbeln und Rollen lassen sich nicht vollständig ausschließen. Beurteilt wird die Fläche in aufrechter Haltung, nicht im Streiflicht.
Renovierung im belegten Bestand
Weil Klebevinyl bis rund 4 mm aufbaut, muss man in der Sanierung Türblätter, Zargen, Aufzugsschwellen und Anschlüsse an Nachbarbeläge selten anpassen. Auch ein festliegender, grundgereinigter Altbelag kann als Untergrund dienen, dafür sind Trockenklebstoffe vorgesehen. Auf altem PVC ist die Weichmacherwanderung zu prüfen, und das Fugenraster des Altbelags kann sich abzeichnen. Welche Verlegeart im Bestand passt, vergleicht der Beitrag Klick oder Dryback im Vergleich.
Untergrund und Verlegung
Bei der Nassklebung kommt die Planke in den frisch aufgetragenen, nur kurz abgelüfteten Klebstoff. Welcher Kleber für Vinylboden passt, richtet sich nach mechanischer, thermischer und Feuchtebeanspruchung und nach der Freigabe des Belagsherstellers. Vor der Verlegung prüft der Verleger Belegreife, Oberflächenfestigkeit und Ebenheit des Untergrunds und hält die Werte fest. In Österreich gilt dafür die ÖNORM B 5236 und nicht das deutsche Regelwerk. Sie enthält die Messregel für die CM-Methode. Als Richtwerte für die Belegreife gelten beim Zementestrich 2,0 CM-% unbeheizt und 1,8 CM-% beheizt, beim Calciumsulfatestrich 0,5 und 0,3 CM-%. Welche Vorarbeiten sonst anstehen, beschreibt der Beitrag LVT Klick oder Dryback. Die Regelwerke dahinter sammelt das Normen-Lexikon für Bodenbeläge.
Klebevinyl, Klick, Loose Lay oder Bahnenware
Neben dem Kleben stehen drei weitere Bauarten zur Wahl. Sie unterscheiden sich in Beanspruchbarkeit, Rückbau und Reklamationsrisiko.
- Klick-Vinyl für die schwimmende Verlegung baut ab etwa 4 mm auf und kommt ohne Klebstoff aus. Es passt zu kleinen, rückbaubaren Flächen, verlangt aber Rand- und Trennfugen und verträgt keine schweren Einbauten.
- Loose Lay Vinyl zum losen Verlegen liegt durch sein hohes Eigengewicht ohne Klebstoff auf und ist nur nach Herstellerempfehlung einzusetzen.
- PVC-Bahnenware zum Verschweißen kommt von der Rolle und wird an den Nähten geschlossen. Sie ist die Wahl für Nass- und Hygienebereiche.
Muster anfordern und bestellen
Wer Klebevinyl kaufen will, wählt bei uns aus 149 Artikeln von fünf Herstellern, 125 davon sind als Objektware gekennzeichnet. Zu jeder Serie liegt ein Datenblatt mit Nutzungsklasse, Nutzschicht und Brandverhalten vor. Zu 616 Varianten sind Verlegebilder hinterlegt. Muster und Dekorkarten schicken wir auf Anfrage zu, damit die Farbabstimmung am Objekt stattfindet, nicht am Bildschirm. Österreichische Bodenleger, Raumausstatter, Architekten und Einkaufsabteilungen erhalten von uns Projektkonditionen auf Anfrage. Wir liefern ab dem eigenen Lager in Österreich oder als Direktlieferung vom Werk.