Was EN ISO 354 regelt
EN ISO 354 beschreibt das Messverfahren zur Bestimmung des Schallabsorptionsgrads von Materialien, Möbeln und sonstigen Objekten in einem Hallraum (Nachhallraum). Das Verfahren liefert frequenzabhängige Absorptionskoeffizienten in Terzbändern von 100 Hz bis 5000 Hz – Grundlage für den bewerteten Absorptionsgrad αw nach EN ISO 11654.
Der Geltungsbereich der Norm umfasst flächige Absorber (z. B. Bodenbeläge, Teppiche, Akustikdecken, Wandverkleidungen) ebenso wie einzelne Objekte wie Möbel oder Raumakustik-Absorber. Nicht geeignet ist das Verfahren für sehr kleine oder stark richtungsabhängige Proben.
Wesentliche Anforderungen
Hallraum
- Mindestvolumen: 150 m³ (empfohlen ≥ 200 m³)
- Diffuses Schallfeld muss durch geeignete Diffusoren sichergestellt werden
- Nachhallzeit ohne Prüfgegenstand wird als Referenz gemessen
Prüffläche und Probenaufbau
- Prüffläche für flächige Materialien: 10 m² bis 12 m² (Rechteckform, Seitenverhältnis 0,7 bis 1,0)
- Die Probe wird randflächenbündig auf dem Boden des Hallraums aufgebracht
- Aufbau und Unterkonstruktion müssen dem vorgesehenen Einbauzustand entsprechen
Messgrößen
- Nachhallzeit T mit und ohne Absorberprobe (Abbruchverfahren oder integriertes Impulsantwortverfahren)
- Berechnung der äquivalenten Absorptionsfläche A nach der Sabine-Formel
- Ergebnis: frequenzabhängiger Schallabsorptionsgrad αs in 18 Terzbändern (100 Hz – 5000 Hz)
Messgenauigkeit
Mindestens 3 Quellpositionen und 3 Mikrofonpositionen sind vorgeschrieben (insgesamt ≥ 12 Abklingvorgänge je Terzband). Temperatur und Luftfeuchte sind zu protokollieren, da sie die Luftabsorption und damit das Messergebnis beeinflussen.
Praxishinweis für Bodenbeläge
Bodenbelagshersteller und -planer setzen EN ISO 354 ein, wenn Schallabsorptionswerte deklariert oder in raumakustischen Berechnungen genutzt werden. Achtung: Messwerte aus dem Impedanzrohr-Verfahren (EN ISO 10534-2) sind mit Hallraum-Ergebnissen nach EN ISO 354 nicht vergleichbar. In Ausschreibungen ist deshalb stets das Prüfverfahren anzugeben. Für den bewerteten Einzahlwert αw wird zusätzlich EN ISO 11654 herangezogen.