Was EN 15330-1 regelt
Die Norm legt die Leistungsanforderungen, Dauerhaftigkeitseigenschaften und Prüfverfahren für Kunstrasensysteme fest, die vorwiegend im Außenbereich für Sport- und Freizeitnutzung eingesetzt werden. Erfasst werden komplette Systeme bestehend aus Kunstrasenbelag, Einfüllmaterial und elastischer Tragschicht.
Natürliche Rasenflächen, reine Nadelvlies-Beläge (Teil 2 der Normenreihe) sowie Kunstrasen für rein dekorative Zwecke ohne sportliche Nutzung fallen nicht unter den Geltungsbereich.
Wesentliche Anforderungen
Sportfunktionelle Eigenschaften
| Eigenschaft | Prüfverfahren | Anforderungsbereich (Beispiel Fußball) |
|---|---|---|
| Stoßdämpfung (Kraftreduktion) | EN 14808 | 55 – 70 % |
| Vertikale Verformung | EN 14809 | 4 – 9 mm (sportartabhängig) |
| Ballrollverhalten | EN 12234 | Sportartspezifisch definiert |
| Ballrücksprung | EN 12235 | Sportartspezifisch definiert |
| Drehwiderstand | EN 15301-1 | 25 – 50 Nm |
Technische Materialeigenschaften
| Eigenschaft | Prüfverfahren |
|---|---|
| Faserzugfestigkeit und Reißdehnung | EN 13864 |
| UV-Beständigkeit (Alterung) | EN 20105-A02 / EN 13864 nach Belichtung |
| Wasserdurchlässigkeit | EN 12616 |
| Ausreißfestigkeit der Faserbüschel | Anhang der Norm |
| Nahtfestigkeit | EN 12228 |
| Abriebbeständigkeit (Lisport-Test) | EN 15306 |
Klassifizierung nach Nutzung
Die Anforderungsprofile unterscheiden sich je nach Sportart: Fußball, Hockey, Rugby-Union-Training, Tennis und Multisport werden separat behandelt. Die konkreten Grenzwerte für Ballverhalten, Stoßdämpfung und Drehwiderstand variieren je nach vorgesehenem Einsatzzweck. Zusätzlich werden Anforderungen an die Beständigkeit gegen Witterung, mechanische Beanspruchung und UV-Strahlung gestellt.
Praxishinweis
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Bewertung des Kunstrasens ausschließlich anhand des Oberbelags ohne Berücksichtigung des Gesamtsystems. Die sportfunktionellen Werte (Stoßdämpfung, Verformung, Drehwiderstand) hängen entscheidend von der elastischen Tragschicht sowie Art und Menge des Einfüllmaterials ab. Prüfungen nach EN 15330-1 sind sowohl als Laborprüfungen (Typprüfung) als auch als In-situ-Prüfungen (Kontrollprüfung vor Ort) vorgesehen. Nach dem Einbau und anschließend alle zwei bis drei Jahre empfiehlt sich eine Kontrollprüfung durch ein akkreditiertes Prüfinstitut.