Was DIN EN 438-2 regelt
DIN EN 438-2 legt die Prüfverfahren zur Bestimmung der Eigenschaften von dekorativen Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL) fest. HPL-Platten bestehen aus mit härtbaren Harzen getränkten Papierlagen, die unter hohem Druck und hoher Temperatur zu einer kompakten, widerstandsfähigen Platte verpresst werden. Die Norm gilt für alle dekorativen HPL-Typen nach der EN 438-Reihe und bildet zusammen mit Teil 1 (Begriffe und Klassifizierung) die methodische Grundlage der gesamten Normreihe.
Nicht erfasst sind durchgehend gefärbte Kompaktplatten nach anderen Produktnormen sowie Schichtstoffplatten auf Thermoplastbasis.
Geprüfte Eigenschaften und Prüfprinzipien
DIN EN 438-2 definiert Prüfverfahren für alle praxisrelevanten Merkmale von HPL-Platten:
| Eigenschaft | Prüfprinzip | Praxisrelevanz |
|---|---|---|
| Oberflächenwiderstand gegen Abrieb | Taber-Abriebprüfung; Ergebnis als IP-Wert (Initial Point) | Maßgebend für die Einsatzeignung als Wandelement oder Paneel |
| Schlagfestigkeit (Kugelfall) | Fallgewicht auf die Oberfläche; Bewertung nach Schadensbild | Stoßresistenz bei mechanischer Beanspruchung im Objektbereich |
| Biegefestigkeit | 3-Punkt-Biegeversuch; Angabe in N/mm² | Tragfähigkeit bei freitragender Montage |
| Maßhaltigkeit / Quellen | Längen- und Dickenänderung nach Feuchtelagerung | Passgenauigkeit bei Verlegung, Fuge und Unterkonstruktion |
| Oberflächenwiderstand gegen Kratzen | Ritzverfahren nach festgelegtem Lastschema | Alltagstauglichkeit der Oberfläche |
| Lichtbeständigkeit | Xenon-Bewitterung; Bewertung nach Graumaßstab | Farbstabilität bei dauerhafter Belichtung |
| Beständigkeit gegen Wärme und Dampf | Dampfdruckprüfung; visuelle Bewertung | Küchen- und Nassbereiche |
| Widerstand gegen Zigarettenglut | Normierter Ablauftest; Schadensbewertung | Öffentliche Bereiche, Gastronomie |
Bezug zu Böden und Laminat
DIN EN 438-2 ist zwar primär auf HPL als Wandmaterial ausgerichtet, hat aber direkten Bezug zu Laminatböden: Die Nutzschicht hochwertiger Laminat- und Designböden besteht aus HPL oder ähnlichem harzgetränkten Trägermaterial. Hersteller von Laminatböden prüfen ihre Deckschichten nach denselben Methoden (insbesondere Abriebwert IP), um Abriebklassen nach EN 13329 zu belegen. Ein höherer IP-Wert nach DIN EN 438-2 steht direkt für eine längere Nutzungsdauer der Bodenoberfläche.
Praxishinweis für Planer und Verarbeiter
Ein verbreiteter Fehler ist die fehlende Abstimmung zwischen dem im Herstellerdatenblatt deklarierten IP-Abriebwert und der tatsächlichen Nutzungsintensität. Für stark frequentierte Flächen – etwa Schul- oder Krankenhauskorridore – sind deutlich höhere IP-Werte erforderlich als für Wohnbereiche. DIN EN 438-2 schreibt die Messmethode vor; die Anforderung an den Mindestwert ergibt sich aus der jeweiligen Produktnorm oder dem Leistungsverzeichnis. Der Abgleich obliegt dem Planer beziehungsweise Verarbeiter.
Originalwortlaut bei DIN Media erhältlich.