Estriche im Bauwesen – Teil 7: Hochbeanspruchbare Estriche (Industrieestriche)
Stand: 04.08.2026 · portal.reschfloor.com
DIN 18560-7 behandelt Estriche, die besonders hohen mechanischen, chemischen oder thermischen Beanspruchungen ausgesetzt sind – sogenannte Industrieestriche oder hochbeanspruchbare Estriche. Die Norm definiert Anforderungen an Material, Planung, Ausführung und Prüfung dieser Estriche. Sie gilt für Estriche auf Trenn- und Dämmschichten sowie für Verbundestriche in gewerblich und industriell genutzten Bereichen.
Nicht erfasst werden Estriche mit üblicher Wohn- oder Büronutzung – diese fallen unter DIN 18560-1 bis DIN 18560-4.
DIN 18560-7 unterscheidet Industrieestriche nach Bindemittelart (Zement, Hartstoff, Magnesia, Gussasphalt, Kunstharz) und ordnet sie Beanspruchungsgruppen zu. Die Einstufung erfolgt anhand der zu erwartenden mechanischen Belastung (Rad- und Flächenlasten, Schlag- und Verschleißbeanspruchung).
| Eigenschaft | Prüfung/Klasse | Relevanz |
|---|---|---|
| Druckfestigkeit | Nach Bindemittelart, z. B. CT-C30 bis CT-C80 bei Zementestrichen | Bestimmt Tragfähigkeit unter Flächenlasten |
| Oberflächenzugfestigkeit | ≥ 1,5 N/mm² (häufige Mindestanforderung für Belagverlegung) | Entscheidend für Haftung von Klebstoffen und Belägen |
| Verschleißwiderstand | Böhme-Scheibe oder BCA-Verfahren, klassifiziert nach Beanspruchungsgruppe | Bei direkt genutzten Industrieestrichen ohne Belag |
| Ebenheit | Gemäß DIN 18202, Tabelle 3 | Voraussetzung für planebene Verlegung elastischer Beläge |
| Restfeuchte | CM-Messung: Zementestrich ≤ 2,0 CM-%, bei Beheizung ≤ 1,8 CM-% | Pflichtprüfung vor Belagverlegung |
Die Mindestschichtdicken richten sich nach Estrichart, Beanspruchungsgruppe und Einbauweise (Verbund, auf Trennschicht, auf Dämmschicht). Typische Mindestdicken für Zement-Industrieestriche auf Dämmschicht liegen bei 45–75 mm je nach Festigkeitsklasse und Belastung.
Häufiger Fehler bei der Verlegung von elastischen Belägen auf Industrieestrichen: Die Oberflächenzugfestigkeit wird nicht geprüft, obwohl Hartstoffestriche oder nachbehandelte Industrieestriche trotz hoher Druckfestigkeit eine unzureichende Oberflächenhaftung aufweisen können. Vor der Belagverlegung ist neben der CM-Feuchtemessung stets eine Haftzugprüfung durchzuführen. Schleifen oder Kugelstrahlen der Oberfläche ist bei verdichteten Hartstoffestrichen oft zwingend erforderlich, um eine tragfähige Klebefläche herzustellen. DIN 18560-7 ist dabei in Verbindung mit DIN EN 13813 und DIN 18560-1 anzuwenden.